Ertrags- und Vermögenslage

Das Erzbistum Paderborn geht auf eine Gründung im Jahr 799 zurück und umfasst heute ein Gebiet von rund 15.000 Quadratkilometern in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen. Es erstreckt sich vom Kreis Minden im Norden bis ins südliche Siegerland, vom Hochsauerland bis ins östliche Ruhrgebiet. Von den etwa 4,8 Millionen Einwohnern sind rund 1,55 Millionen Katholikinnen und Katholiken. Sie leben in 703 Kirchengemeinden, die sich in 46 bisher errichtete Pastorale Räume und 92 Pastoralverbünde gliedern. Damit ist das Erzbistum Paderborn nach Mitgliedern das sechstgrößte deutsche Bistum. Es engagiert sich seelsorgerisch und sozial in vielen gesellschaftlichen Bereichen. Angefangen von der Krankenhausseelsorge über die Polizei- und Gefängnisseelsorge, Schulen und Weiterbildungseinrichtungen, die Caritas sowie Kunst und Kultur bis hin zu 164 Ordensniederlassungen.

Der Rückgang der Katholikenzahlen setzte sich mit einem Minus von rund 1 Prozent im Jahr 2015 fort.

Ursache dafür sind vor allem demografische Effekte. Neben Wanderungsbewegungen in große Metropolen verzeichnet das Erzbistum Paderborn seit Jahren deutlich weniger Geburten bzw. Taufen als Sterbefälle. Die Zahl der Kirchenaustritte sank um rund 25 Prozent auf 7.838.

Die Entwicklung der Mitgliederzahl erfordert ebenso wie die strukturellen Veränderungen in der Gesellschaft ein Überdenken der Organisation kirchlichen Wirkens. Das bisher dominierende Bild von örtlichen Kirchengemeinden wird zunehmend abgelöst von bedarfsbezogenen Angeboten mit unterschiedlichem räumlichen Bezug. Das von Erzbischof Hans-Josef Becker 2014 in Kraft gesetzte Zukunftsbild für das Erzbistum Paderborn ist dabei der Orientierungsrahmen für die künftige Entwicklung und die Umsetzung einer Vielzahl von Maßnahmen. Die im Zukunftsbild beschriebenen pastoralen Prioritäten sind wesentliche Maßgabe für die Finanzplanung des Erzbistums.

Entwicklung der Mitgliederzahl
2015 2014
Kirchenmitglieder zum 1. Januar
1.564.994 1.581.343
Taufen 10.136
9.956
Sterbefälle -17.030
-16.484
Austritte -7.838
-10.471
Sonstige Veränderungen*
-1.032 650
Kirchenmitglieder zum 31. Dezember
1.549.230 1.564.994

* Eintritte, Wiederaufnahmen, Zuzüge bzw. Abwanderung

Steigende Erträge stärken Kirchengemeinden

Die Kirchensteuererträge stiegen im Jahr 2015 um 5,3 Prozent auf rund 395,9 Mio. Euro. Mit einem Anteil von fast 77 Prozent sind sie die bei Weitem wichtigste Ertragsquelle des Erzbistums. Der Anstieg ist vor allem auf die weiterhin stabile konjunkturelle Entwicklung in Deutschland zurückzuführen, die Rückgänge bei der Zahl der Kirchenmitglieder überdeckt.

Erträge aus Zuweisungen und Zuschüssen der öffentlichen Hand betreffen im Wesentlichen die Schulen und Weiterbildungseinrichtungen, die vom Erzbistum betrieben werden. Besonders relevant waren im Jahr 2015 die sonstigen Erträge, die mit rund 61,7 Mio. Euro mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr ausfielen. Ein Großteil stammt aus der Auflösung von Rückstellungen, insbesondere der Clearing-Rückstellung sowie der Pensions- und Beihilferückstellungen. Hinzu kam die Auflösung von Verbindlichkeiten aus älteren Zusagen für geplante Baumaßnahmen, die nicht umgesetzt wurden.

Insgesamt stiegen die Erträge um 56,6 Mio. Euro. Das Erzbistum konnte dadurch bei den Aufwendungen die Zuweisungen an Kirchengemeinden und Verbände deutlich um rund 30,7 Mio. Euro beziehungsweise 16,8 Prozent auf rund 214,1 Mio. Euro anheben. Somit sind mehr als die Hälfte der gestiegenen Erträge an diesen Bereich weitergegeben worden.

Zudem stiegen aufgrund der weiter sinkenden Zinsen die Aufwendungen für die Altersversorgung gegenüber dem Vorjahr nochmals um 18,4 Mio. Euro. Das Erzbistum legt besonderen Wert darauf, die zukünftige Versorgung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sicherzustellen. Die Personalaufwendungen machen insgesamt knapp 40 Prozent der gesamten Aufwendungen aus.

Die sonstigen Aufwendungen lagen 2015 mit rund 57,9 Mio. Euro nahezu auf Vorjahresniveau. Hierzu gehören insbesondere die Gebäudeinstandhaltung (rund 6,8 Mio. Euro) sowie Kosten für Energie- und Wasserverbrauch und Reinigung. Auch die Hebegebühren der Finanzämter für den Einzug der Kirchensteuer in Höhe von 11,1 Mio. Euro sind hier enthalten. Hinzu kommen Abschreibungen, IT-Kosten, Mieten, Versicherungen und andere Aufwendungen.

Die sinkenden Zinsen am Kapitalmarkt wirkten sich auf das Finanzergebnis aus. So sanken die Kapitalerträge um 7,5 Prozent auf 56,4 Mio. Euro. Nach Aufwendungen für die Aufzinsung der Rückstellungen verblieb ein gegenüber dem Vorjahr um 10,6 Prozent reduziertes Finanzergebnis von rund 37,5 Mio. Euro.

Sonderfaktoren beeinflussen das Ergebnis

Die Ergebnisentwicklung im Jahr 2015 ist beeinflusst durch ein Urteil des Bundesgerichtshofs zur Regelung des „Sanierungsgeldes“ der Kirchlichen Zusatzversorgungskasse (KZVK). Demnach sind die in der Vergangenheit hierfür geleisteten Zahlungen an die KZVK von dieser zurückzuerstatten. Hierzu wurde im Jahr 2015 eine Forderung in Höhe von 2,5 Mio. Euro in die Bilanz eingestellt.

Dies führt zu einer Steigerung der sonstigen Erträge. Insgesamt erwartet das Erzbistum Rückzahlungen in Höhe von rund 4,5 Mio. Euro. Da die Bilanz der KZVK eine Deckungslücke hinsichtlich der langfristigen Verpflichtungen aufweist, ist für die Zukunft eine Erhöhung der Beiträge an die KZVK zu erwarten.

Bilanzergebnis stärkt die Arbeit der Kirchengemeinden

Insgesamt liegt der Jahresüberschuss vor Dotierung der Rücklagen bei 90,8 Mio. Euro und damit knapp unter dem Vorjahresergebnis. Aus dem Überschuss wurden die Bau- und Sonderrücklagen mit insgesamt 26,8 Mio. Euro dotiert. Dies spiegelt die Ergebnisverwendung des Vorjahres wider, insbesondere für die Kindertagesstätten und den Caritas-Notfallfonds sowie den Flüchtlingsfonds.

Außerdem mussten, ähnlich wie im Vorjahr, die Pensionsrücklagen mit 62,6 Mio. Euro dotiert werden. Insgesamt ergibt sich daraus ein Bilanzergebnis von 44,2 Mio. Euro, das 6,5 Prozent über dem Vorjahreswert liegt.

Der Kirchensteuerrat hat beschlossen, den Bilanzgewinn des Jahres 2015 wie im Vorjahr zum größten Teil auszuschütten beziehungsweise festgelegten Zwecken zu widmen. Mit 20,8 Mio. Euro erhalten die Kirchengemeinden davon mehr als die Hälfte. Rund 23 Prozent fließen für soziale Belange an den Diözesan-Caritasverband (5,0 Mio. Euro), in den Flüchtlingsfonds (2,0 Mio. Euro) sowie für die Haushalte der Pflegeheime (2,0 Mio. Euro).

Die Bereiche Jugend und Schule werden mit 2,5 Mio. Euro zusätzlich versorgt. Für die neuen pastoralen Projekte im Sinne des Zukunftsbildes werden weitere 1,0 Mio. Euro bereitgestellt.

Darüber hinaus hat der Kirchensteuerrat beschlossen, den Kapitalstock des Metropolitankapitels zu stärken, da dieses nur über geringe liquide Mittel verfügt. So soll die kurzfristige Handlungsfähigkeit, beispielsweise für notwendige Sanierungsmaßnahmen, gesichert werden. Die Buchführung soll vom Jahr 2017 an kaufmännischen Standards folgen, so dass das Metropolitankapitel voraussichtlich 2018 erstmals einen testierten Jahresabschluss vorlegen kann.

Verpflichtungen stehen weiter an

Die Bilanzsumme des Erzbistums stieg zum Bilanzstichtag um 3,7 Prozent auf 4,161 Mrd. Euro. Auf der Aktivseite, also der Darstellung der Vermögenswerte, dominieren die Finanzanlagen mit 3,718 Mrd. Euro. Die Sachanlagen belaufen sich auf 280,3 Mio. Euro. Das Umlaufvermögen in Höhe von 155,2 Mio. Euro deckt vor allem den Liquiditätsbedarf für die laufenden Ausgaben.

Der Vermögenszuwachs spiegelt vor allem die weiter gestiegenen Verpflichtungen des Erzbistums. Insbesondere für die Altersversorgung der Mitarbeiter müssen ausreichende Mittel zurückgelegt werden.

Mit einer gegenüber dem Vorjahr leicht gesunkenen Eigenkapitalquote von 84,4 Prozent (Vorjahr: 85,3 Prozent) ist das Erzbistum stabil aufgestellt und kann unabhängig agieren. Vom Eigenkapital entfallen rund 781 Mio. Euro auf das Bistumskapital – das Eigenkapital im engeren Sinne. Es dient insbesondere zur Sicherstellung der Aufgabenerfüllung des Erzbistums und als Reserve für langfristige Verpflichtungen und Risiken.

Der weitaus größte Teil des Eigenkapitals entfällt auf zweckgebundene Rücklagen. Rund 1,4 Mrd. Euro werden zur Erhaltung der Gebäude aller Einrichtungen im Erzbistum sowie zur Finanzierung umfangreicher Projekte, als Rücklage für soziale Einrichtungen sowie für den Caritas-Notfallfonds benötigt. Zur Ausfinanzierung der Altersversorgungsverpflichtungen des Erzbistums wurden den Pensionsrücklagen 2015 zusätzlich 62,7 Mio. Euro zugeführt. Die Pensionsrücklagen erreichen damit ein Volumen von 524,4 Mio. Euro. 730,5 Mio. Euro dienen als Ausgleichsrücklage für die Absicherung gegen langfristige Ergebnisschwankungen, insbesondere mit Blick auf zu erwartende rückläufige Kirchensteuererträge.

Kirche ist kein Wirtschaftsunternehmen. Außer geringfügigen Teilnehmerbeiträgen für Veranstaltungen erzielt das Erzbistum Paderborn keine direkten Erträge. Deshalb ist die hohe Eigenkapitaldeckung wichtig.

Es ist ein Ziel der Finanzpolitik des Erzbistums, auf Bankverbindlichkeiten weitestgehend zu verzichten, um Finanzierungkosten zu vermeiden und die Kirchensteuereinnahmen unmittelbar der kirchlichen Arbeit zukommen zu lassen.

Das Erzbistum Paderborn verfügt über eine stabile finanzielle Basis.

Zur Deckung seiner Verpflichtungen, insbesondere in der Altersversorgung, hat das Erzbistum in der bilanzrechtlich zulässigen Höhe Rückstellungen gebildet. 2015 stiegen diese um 10,1 Prozent auf insgesamt 510,2 Mio. Euro. Durch Pensionsrückstellungen und -rücklagen sind die Vorsorgeverpflichtungen aus heutiger Sicht ausfinanziert.

Die hohe Eigenkapitalquote sichert die Unabhängigkeit des Erzbistums und die Handlungsfähigkeit der Kirche. So kann sie zum Beispiel mit dem Caritas-Notfallfonds Vorsorge für kritische Situationen von Trägern sozialer Unterstützungseinrichtungen treffen. Zwar müssen auch diese Einrichtungen grundsätzlich wirtschaftlich tragfähig sein, um dauerhaft existieren zu können. Gleichwohl steht das Erzbistum für eine langfristig orientierte, seelsorgerisch und sozial ausgerichtete Grundhaltung.

Insgesamt verfügt das Erzbistum Paderborn über eine stabile finanzielle Basis und kann aus den laufenden Erträgen seine vielfältigen Aufgaben erfüllen. Das verfügbare Vermögen ermöglicht eine nachhaltige Arbeit und sichert die langfristige Deckung der Verpflichtungen.